Wasser
In den ampezzaner Dolomiten herrscht ein Gebirgsklima, das zwischen dem für die Adria typischen, südalpenländischen Meeresklima und dem kontinentalen, alpenländischen Klima liegt. Wie in allen Gebirgen gibt es auch hier in der warmen Jahreszeit vorwiegend gewitterartige Regenfälle, die auf die örtlichen orographischen Bedingungen zurückzuführen sind; die jährliche Niederschlagsmenge erreicht durchschnittlich 1100 mm, wobei Juni und Juli die regenreichsten Monate sind und der Februar der regenärmste Monat ist. Die gleichzeitig mit dem Regen im Spätfrühling einsetzende Schneeschmelze in den höheren Lagen trägt dazu bei, daß die Bäche zu Beginn des Sommers viel Wasser mit sich führen, weshalb dies die beste Jahreszeit für einen Besuch der wunderschönen Seen, Quellen, Bäche und Wasserfälle ist. Die steilen Hänge und die durchlässigen Gesteine begünstigen die Bildung von Binnengewässern nicht. Dennoch konnten sich in einigen hoch- bzw. im Tal gelegenen Mulden mit wasserundurchlässigem Boden kleine Seen bilden, wie z. B. der Fòses-See und der Rudosee, oder dort, wo sich die Bäche stauen, wie beim Fanes-See und beim Rufiédosee. Diese Seen sind wegen der besonderen Lebensgemeinschaften der dort ansässigen Pflanzen und Tiere naturalistisch besonders interessante Biotope.
Die Quellen des Rufiédo, Felizón und Boite sind wahre "Sehenswürdigkeiten", da sie von unterirdischen Kanälen im Karstgestein gespeist werden; die Quellen der beiden ersten Flüsse zeichnen sich durch einen kräftigen, vollen Wasserstrahl aus, während das Wasser nur langsam aus der dritten Quelle rinnt und dann in malerischen Meandern talwärts fließt, wobei der Boite sein Flußbett ständig verändert.
Der Felizon, der Travenanzes und der Rio Ra Vales haben tiefe Schluchten in den Talboden aus Dolomit gegraben; sie machen deshalb einen schroffen, wilden Eindruck. Die tief eingeschnittenen Flußbette konnten nur bei den Brücken überquert werden, die damals beim Bau der ersten Verbindungsstraße von der ampezzaner Talebene zum Pustertal und nach Marebbe errichtet wurden; dabei handelte es sich um die Brücke bei Ponte Felizon auf der "Alemagna" und die beiden Brücken von Outo und Cadorìs über den Travenanzes.
Der Boite und der Fanes sind trotz der starken Bodenerosion nicht so eng und tief, aber sie haben bei mehreren, aufeianderfolgenden Felsvorsprüngen charakteristische Wasserfälle gebildet; die Wasserfälle des Boite befinden sich unterhalb der Almhütte "Malga Ra Stua".
Eine der landschaftlich schönsten Sehenswürdigkeiten im Park ist bestimmt der dreistufige Fanes-Wasserfall; jede einzelne Stufe ist rund 50 m hoch und das Wasser stürzt auf kleinstem Raum in eine tiefe Schlucht, kurz bevor er in den Travenanzes mündet; der Wasserfall ist wegen der tosenden Wassermassen sehr beeindruckend.
In besonders hoch gelegenen, schattigen Schlupfwinkeln auf den Tofaner Bergen, dem Cime di Fanes und dem Cristallo gibt es kleine Gletscher, über denen teilweise eine dicke Geröllschicht liegt. Diese winzigen, auf einer Höhe von 2800 bis 3000 Metern gelegenen Eisflecken sind Indikatoren für die Klimaveränderungen, da sie fast jedes Jahr kleiner werden. Sie gehören aber trotzdem zur Landschaft des Parks und auch sie tragen dazu bei, daß die Bäche im Sommer mehr Wasser führen.
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Fauna
In den unterschiedlichen Wäldern, Wiesen, Felsen und Gewässern, die die Landschaft der ampezzaner Dolomiten prägen, ist eine reiche Vielfalt an ökologischen Lebensräumen entstanden, die eine große Zahl von natürlichen Lebensgemeinschaften beherbergen. Die Artenvielfalt und die hohen Bevölkerungszahlen jeder Art hängen auch von der besonderen Umsicht bei der Verwaltung der Naturschätze und Lebewesen ab, die die Parkleitung in der Vergangenheit bewiesen hat. Wir möchten hier kurz die wichtigsten Tierarten beschreiben. Im Park leben daneben auch viele Arten niedrigerer Ordnung, die für die Wissenschaft von größtem Interesse sind (Insekten, Lurche, Reptilien), aber deren Bestand noch aufzunehmen ist und die es noch zu erforschen gilt.
In den Wäldern und Lichtungen des Talbodens leben ziemlich viele Rehe, die sehr unter den strengen Wintern und den freilaufenden Hunden leiden; auch die Straßen, auf denen oft vor Wildwechsel gewarnt wird, stellen für sie ein Problem dar; aus diesen Gründen und weil sich die Rehe andererseits gut vermehren, schwankt die Zahl der ständig hier lebenden Rehe stark. In den letzten Jahren ist auch die Zahl der Hirsche gestiegen, die im Talboden überwintern und im Sommer in die Hochtäler abwandern. Sie legen täglich große Strecken zurück und oft sieht man sie vom Boitetal auf ihren gewohnten, stark ausgetretenen Wegen in die umliegenden Täler ziehen.
Specht und Kauz sind die typischsten, im Park lebenden Waldvögel. Beide Arten leben gerne in Nisthöhlen in den Bäumen (Schwarzspecht und Rauhfußkauz, Rotspecht und Sperlingkauz). Berghaselhuhn und Auerhuhn sind es unter den Scharrvögel; das wunderschöne Auerhuhn, das allgemein immer seltener wird, kommt hier noch vor und vermehrt sich in abgelegeneren, noch unberührten Gebieten, die reich an Waldfrüchten sind. Eine besondere Erwähnung verdient der höchst selten gewordene Dreizehenspecht, der mehrmals in den Fichtenwäldern am Fuße der Tofaner Berge gesichtet wurde und als Relikt aus der Voreiszeit gilt.
Unter den Raubtieren sind Fuchs und Wiesel zu nennen, die alle Gebiete von den Talböden bis zu den Gipfeln bewohnen, auch der Marder und ein Uhu-Pärchen, das in dem Gebiet beobachtet werden kann, in dem die vier Haupttäler zusammenlaufen, und ein Habicht-Pärchen, das alle zwei Jahre im Naturschutzgebiet oder in den Randgebieten nistet.
Drei andere, große Säugetiere sind vor kurzem wieder in die ampezzaner Dolomiten eingewandert: der Bär, der Luchs und der Goldschakal; obwohl diese Tiere wiederholt an verschiedenen Stellen gesichtet worden sind, ist ihr Erscheinen jedoch nicht so zu werten, als handle es sich um hier heimische Arten. Die Lärchen und Zirbelkiefer der bis zur oberen Baumgrenze reichenden Nadelwälder und die Latschen, Preiselbeersträucher und Alpenrosen der Übergangszone bilden den idealen Lebensraum für das Birkhuhn, das in großer Zahl die Gebiete am Schluß des Fanes-, Boite-, Padeón- und Ansieitals bevölkert, und auch ür andererTiere, wie der Hase, der im Winter ein weißes Fell bekommt, und die Gemse, die in der warmen Jahreszeit bis zu den hochgelegenen Matten und Geröllfeldern wandern. Die Gemse ist zahlenmäßig sicher das in den ampezzaner Alpen verbreitetste Huftier, dessen oftmals übertrieben hohe Bevölkerungsdichte zur Entstehung von Infektionskrankheiten führen kann, was die Parkaufseher zum Eingreifen zwingt, um die Ausbreitung von Epidemien zu verhindern. Die Gemse ist fast überall zwischen 1500 und 2700 m anzutreffen; sie lebt in Herden von 20 bis 50 Tieren; insgesamt leben über 1500 Gemsen im Park, die sich hauptsächlich auf den Süd- und Westhängen der Hohen Gaisl aufhalten.
Der Steinbock, der vor rund 20 Jahren wieder in Cortina angesiedelt worden ist, hat auf den Hochgebirgsmatten des Fòses und des Seekofels für sich eine ökologische Nische gefunden; heute leben 50 Steinböcke im Park.
Mit den Hochgebirgsmatten verbindet man immer auch das Murmeltier, das in großen Kolonien in den Gebieten bei Lerósa, Fòses und Ròzes lebt, und das Alpenschneehuhn, das im Winter weiß und im Sommer braungesprenkelt ist, so wie der Hase und der Hermelin ein Winter- und ein Sommerfell haben. Der Hermelin ist ein Raubtier, das die Nagetierbevölkerung in den Höhenlagen kontrolliert. Wo das Murmeltier ist, da ist auch der Steinadler, der sein hauptsächlicher Jäger ist; im Park selbst und in seinem Einzugsgebiet nisten drei Steinadler-Pärchen, die ihre Nester an nach Süden gerichteten Felswänden mittlerer Höhenlage gebaut haben. Der gleiche Lebensraum ist auch für einen Vogel geeignet, der sich im Schmetterlingsflug bewegt und ein auffallendes Gefieder besitzt: der Mauerläufer, der sein Nest in senkrechten Felswänden baut. Abschließend ist noch der Bartgeier oder "Aasvogel der Lämmer" zu erwähnen, der wiederholt dabei beobachtet werden konnte, wie er in der Luft Kreise drehte und sich auf den Felsen der Tofaner Berge niederließ, und man hofft, daß er eines Tages dort auch nisten wird.
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Vegetation
Die Nadelbaumwälder bedecken weithin die von den inneren Tälern aufsteigenden Berghänge, in einem Gürtel, der vom Talboden auf 1300 m Höhe bis auf eine Höhe von 1900 m reicht. Nur das Travenanzestal macht davon eine Ausnahme, das so steil und schattig sind, daß keine Bäume darin wachsen können. Dichte Bergkiefer- bzw. Latschensträucher ersetzen hier den Wald auf den felsigen und mit Geröll bedeckten Abhängen, die regelmäßig von Erdrutschen und Lawinen heimgesucht werden.
Die Rottanne oder Fichte ist der in den montanen und subalpinen Vegetationsstufen weitverbreitetste Baum. In den Gebieten bei Ra Stua und Antruiles stehen herrliche Fichtenwälder. Wo seit rund über einem halben Jahrhundert die Wälder wegen ihrer Undurchdringlichkeit für moderne Maschinen ungenutzt blieben, besitzen sie ein fast monumentales Aussehen; sie stellen deshalb eine der schönsten Sehenswürdigkeiten im Park dar und als solche stehen sie auch unter Naturschutz.
In den über die Straßen leicht zugänglichen Wäldern wird eine landschaftsgemäße Forstwirtschaft betrieben, die sich möglichst nach dem natürlichen Rhythmus des spontan wachsenden Waldes richtet. Dabei werden diejenigen Pflanzen entfernt, die die natürliche Entwicklung und Erneuerung des Waldes behindern, was aber nicht die alten Bäume betrifft, die als Lebensraum für die Tiere vom Fällen verschont bleiben. Das Ergebnis dieser seit Jahrhunderten angewendeten Art der Bewirtschaftung sind Wälder mit Bäumen unterschiedlichen Alters und unterschiedlich hohen Kronen. Diese Wälder besitzen eine gute ökologische Stabilität.
Zwischen den Nadelwäldern der montanen Stufe haben auch einige Buchenwälder Platz gefunden, in denen sich gar manche Eibe angesiedelt hat (Nordhänge des Cianderòu und des Col Rosà). Dagegen hat sich die Edeltanne in mehr wettergeschützte Ecken zurückgezogen, in denen ein dem Mittelmeerklima ähnliches Mikroklima herrscht (Progóito, Costa dei Sié). Im Talboden des Parks erreichen diese drei Arten Standorte, die an der obersten Grenze liegen, wo sie gerade noch überleben können. Auf dem festen, unbeweglichen Schotter an den kargeren Abhängen (Südhänge der Hohen Gaisl und der Croda de r' Ancona) stehen dagegen schottische Kiefern in sehr lichten, niedrigen Wäldern zusammen, in denen ein artenreiches Unterholz und seltene Orchideenarten zu finden sind.
Dort, wo die Wälder allmählich die alpine Stufe der Hochgebirgsmatten erreichen, bilden die Lärchen und Zirbelkiefern wunderschöne, mit ausgedehnten Lichtungen abwechselnde Baumgruppen, die nicht selten hundertjährige Pflanzenbestände vorweisen können. Die Lärchen- und Zirbelkieferwälder bei Lerósa, Gótres, Padeón und Ròzes gelten als Naturdenkmäler von unschätzbarem landschaftlichem und naturalistischem Wert. Die Hochgebirgsmatten bei Lerósa, Fòses, Ròzes und Travenanzes sind sehr bedeutende "Steinchen" im Pflanzenmosaik des Parks. Es handelt sich dabei um hochgelegene Ökosysteme, die nicht nur wegen ihrer landschaftlichen und historischen Bedeutung als Weideland eine herausragende Stellung einnehmen, sondern auch wegen der unglaublichen Artenvielfalt der dort wachsenden Alpenblumen. Es gibt endemische, seltene Arten, die nur in den ampezzaner Dolomiten wachsen, wie die Hauswurz der Dolomiten, die zum Wahrzeichen des Parks geworden ist.
Seit Jahrtausenden trieben die Hirten ihr Vieh zum Weiden auf die Hochgebirgsmatten und es sind sogar heute noch vier Almen im "regolaner" Gebiet in Betrieb. Im Park gibt es bei der Almhütte "Malga Ra Stua" und im Val Padeón noch Kuhweiden, während auf der Alpe di Fòses Schafe grasen dürfen. In der Übergangszeit kommen sie auf niedriger gelegene Weiden. Dies ist auch der Grund, weshalb in Gebieten, wo sonst nur Wald ist, eine gewisse Art von Kulturlandschaft entstanden war und gepflegt wurde, die sich von der natürlich belassenen Landschaft unterschied und wegen ihrer kulturellen und historischen Bedeutung für die "Regole" wertvoll war.
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Gesteine
Die geologischen Formationen im Park sind sedimentären Ursprungs, die sich im Mesozoikum, genauer gesagt im Zeitabschnitt vor 230 bis 90 Millionen Jahren (mittlerer Trias oder Muschelkalk - Oberkreide) gebildet haben. Sie bestehen einerseits aus echten Felsgesteinen, wie die Dolomit- und Kalksteine, die breite Geröllfelder und teilweise sehr hohe, senkrechte Felswände bilden, und andererseits aus loseren Tonerden- und Mergelschichten, die nicht so steile, im allgemeinen entweder bewaldete oder mit Gras bewachsene Hänge haben.
Der Kern der ampezzaner Dolomiten besteht aus dem Hauptdolomit, ein im hohen Trias durch die Ablagerung von Lagunarschlamm auf mit Algen bewachsenen Meeresböden entstandenes Sedimentgestein. In manchen Gegenden sind die Dolomitablagerungen fast bis zu 1000 m hoch und bilden viele der höchsten, für den Park charakteristischen Felswände und Türme, wie zum Beispiel die Südwände der Tofana di Rozes, des Cristallo, des Piz Popena und die Türme des Fanes und Travenanzes. Noch ältere Dolomitgesteine, die nicht so hoch sind und weniger Schichten haben, bilden die großen Tafeln am östlichen und westlichen Rand des Naturschutzgebietes und aus denen die Bergkette mit dem Kleinen Lagazuói, Cime Falzarego und Col dei Bos besteht.
Die grauen Kalksteine, aus denen die Schichten über dem Hauptdolomit bestehen, bilden eindrucksvolle, ganz senkrechte, glatte Felswände, wie die der Tofana di Mezzo, des Monte Taé und der Ränge des Col Bechéi; ihre markante Schichtung ist normalerweise sehr dicht und ausgeprägt. An den Stellen, wo die Schichten schräg verlaufen, weisen die Kalksteine, die leichter verwittern als die Dolomitgesteine, tief eingeschnittene Erosionslinien auf und bilden weiße, flache Platten wie die des Seekofels und der Kleinen Gaisl. Die waagerecht verlaufenden Kalkschichten unterliegen dagegen einem starken Auflösungsprozeß, der auf den Hochebenen von Fosses und Rudo zur Bildung von Karsterscheinungen beigetragen hat; hier gibt es ausgedehnte, unterirdische, verzweigte Systeme von Höhlen und Grotten, die stellenweise bis in eine Tiefe von 1000 m hinabreichen.
Ebenso eindrucksvoll sind die Karsterscheinungen im Dolomitgestein, wenn sie dort auch weniger ausgebildet sind. Diesbezüglich sind die Tofana-Grotte und eine Grotte unterhalb der Cima Fanes di Mezzo besonders sehenswert. Eine geomorphologische Besonderheit des Parks sind die durchgehenden Löcher im Fels, die durch Erosion in ganz schmalen Berggraten aus Kalkstein entstanden sind, wie z. B. die bekannten Löcher Busc de Tofana und Busc de r'Ancona.
Die ältesten und jüngsten Gesteinsschichten im Naturschutzgebiet, die den Sockel der Tofaner Berge und des Cristallo und den bewaldeten Hügel oberhalb des Antrúiles bilden, bestehen vorwiegend aus Mergel und Tonerde, in denen reichlich Versteinerungen enthalten sind; da sie nicht felsig sind, bedeckt sie meist eine Schicht fruchtbarer Erde, auf der die Vegetation zwar üppig gedeihen kann, aber die auch oft abrutscht. An den Ost- und Südhängen des Col Bechéi sind einige Stellen eines Konglomerats aus dem Oligozän-Miozän (20 Millionen Jahre) sichtbar, das sich nach den wichtigsten Entstehungsphasen der Alpen abgelagert hat und einzigartig für die Dolomiten ist. Der Paläonthologe Rinaldo Zardini hat die Versteinerungen aus den ampezzaner Dolomiten gesammelt und erforscht. Seine Fossiliensammlung, die als eine der reichsten und interessantesten Italiens bekannt ist, kann in den Ausstellungsräumen des "Museo de ra Regoles" in Cortina bewundert werden, wo sie aufbewahrt wird.
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