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Im südlichsten Teil der ampezzaner Talebene war schon in frühester Zeit das Hirtenwesen verbreitet; manche Ortsnamen sind keltischen Ursprungs (Gótres, Antruiles, Lerósa), obwohl es keine ständigen Siedlungen gab; die Hirten waren hier nicht fest ansässig, sondern hielten sich hier nur zu bestimmten Jahreszeiten auf.
Früher teilten sich die "Regole di Larieto" und die "Regole di Vinigo" das Gebiet, das heute zum Naturpark gehört, für die Nutzung der Weiden; die Genossen der "Regole di Vinigo", die im 20 km entfernten Cadore lebten, besaßen die Weiden bei Gótres und Lerósa, im Felizontal und im Travenanzestal (deshalb der Name "Ponte dei Cadorìs" im unteren Travenanzestal).
Bei einem Gefecht mit den Truppen des Herzogs von Österreich wurden im Jahre 1412 bei Cimabanche mehrere Männer aus Vinigo gefangen genommen. Da die Bewohner von Vinigo das geforderte Lösegeld von 500 Golddukaten nicht aufbringen konnten, nahmen sie das Angebot der "Regola di Larieto" an, im Austausch für die Bezahlung des Lösegeldes die oben genannten Weiden abzugeben. Von da an gehörte das ganze Gebiet der "Regola di Larieto".
Seit frühester Zeit gab es eine Straße nach Norden, die durch das Gebiet des heutigen Parks ging und das Boitetal mit dem Pustertal verband. Sie lief das Boitetal hoch bis zur Mündung des Rio Felizon, den sie überquerte. Dann kletterte sie den Felsen empor, auf dem die Burg von Podestagno Castello di Podestagno, thronte, und ging von dort weiter nach Toblach; ein kurzes Stück nach der Burg lag die Herberge von Ospitale, neben der die ampezzaner Gemeinde im Jahre 1226 die dem Schutzpatron der Wanderer geweihte Sankt Nikolauskirche chiesa di San Nicolò, baute, die noch erhalten ist. Die erst kürzlich renovierte Kirche ist das älteste historische Bauwerk in Ampezzo.
Der Durchgangsverkehr auf der Straße nach Tirol war schon immer eng mit der Burg von Podestagno, der Herberge und der Kirche zu Ospitale verbunden; die Burg wegen ihrer strategischen Lage, die Herberge als Unterkunft und die Kirche als Kultstätte für die Reisenden. Die voraussichtlich um das Jahr 1000 herum erbaute Burg von Podestagno war bis 1420 von den Hauptmännern der Patriarchen von Aquileia besetzt, bis 1511 von den Hauptmännern der Republik von Venedig und danach bis zu seinem Zerfall Ende des 18. Jh. von den Statthaltern des österreichischen Kaisers.
Die Burg hatte für die Bewohner von Ampezzo schon immer die politische Macht verkörpert; nördlich von Cortina gelegen, war sie über Jahrhunderte hinweg ein strategisch wichtiges Bollwerk in der Talenge des Boite am Durchgang zur Schlucht des Rio Felizon. Auf dem Felsen sind von der in der Vergangenheit mehrmals umgebauten Burg heute nur noch wenige Reste von den alten Grundmauern vorhanden. Ab dem Jahre 1200 waren auf dieser Straße, die damals die kürzeste Verbindung zwischen Deutschland und Venedig darstellte, nicht nur Menschen unterwegs, sondern auch Waren, die von den Häfen am Adriatischen Meer nach Deutschland gebracht wurden. Der Verkehr auf dieser Handelsstraße war bis zum Anfang des 18. Jh. sehr stark, aber als der Freihafen in Triest eröffnet wurde, wurden die meisten Waren umgeleitet; der Verkehr auf der Straße nahm immer mehr ab, bis sie schließlich unterhalb der Burg sogar verkam. Die Gemeinde von Ampezzo ließ später ein neues Stück bauen, das viel bequemer war und vom Ru dei Cavai aus, wo 1759 ein Steinbruch für den Bau der neuen Pfarrkirche eröffnet worden war, den Hang hinauf und bis zur Wiese hinter der Burg (1762) führte.
Nach den napoleonischen Kriegen meinte die österreichische Regierung, Toblach und Conegliano mit einer neuen Straße verbinden zu müssen, die den Namen "Alemagna" erhielt und 1831 fertiggestellt wurde; einige Abschnitte der heutigen Staatsstraße verlaufen genau da, wo die "Alemagna" früher war. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges im Jahre 1914 veränderte das Landleben der Regolieri schlagartig; damals befahl die Militärführung in Brixen, in aller Eile eine Verteidigungslinie aufzubauen, die sich von Osten nach Westen, bzw. von Cimabanche über Gótres, Son Pòuses, Progóito, Travenanzes bis Lagazuoi durch das ganze Gebiet des heutigen Naturparks hinziehen sollte. An den Nordhängen des Forame und der Tofaner Berge hatte sich der Feind festgesetzt und dort seine Stellungen errichtet. In den beiden Jahren von 1915 bis 1917, lieferten sich in dieser Gegend abertausende von Soldaten die heftigsten Kämpfe, bei denen die Wälder zum großen Teil zerstört und das Land verwüstet wurden. Die Säuberung des Gebiets von Kriegsmaterial beanspruchte viele Jahre und es gibt selbst heute noch Stellen, an denen noch Spuren der damaligen Wunden zu erkennen sind; auf der ganzen Frontlinie von damals kann man heute noch unzähligen Bauwerken und Resten begegnen, die von diesen tragischen Ereignissen zeugen.
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